Die koreanische Autorin Cho Nam-Joo schrieb mit „Kim Jiyoung, geboren 1982“ einen Weltbestseller. In ihrem Buch „Miss Kim weiß Bescheid“ geht es wieder um die Rolle normaler Frauen in Korea. Wegen dieses Themas hat sich die Autorin auch Feinde gemacht.

Dass es um die Stellung der Frau in der koreanischen Gesellschaft nicht sonderlich gut bestellt ist, zeigt das Gleichberechtigungsranking des Weltwirtschaftsforums: Platz 102 von 156. Da ist also noch Luft nach oben. Auch bei den Gehältern sieht es nicht besser aus: Laut der OECD lag der Einkommensunterschied 2020 bei 31,5 Prozent. Im selben Jahr wurden 20.000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet.

In Cho Nam-Joos neuestem Buch „Miss Kim weiß Bescheid“ geht es neben der Gewalt um aktuelle gesellschaftliche Themen wie Cybermobbing in den sozialen Medien, Hate Speach, versteckte Kameras, die ungleiche Behandlung am Arbeitsplatz, weibliche Identität. Cho Nam-Joo erzählt von normalen Frauen, die zwischen zehn und 80 Jahre alt sind. Da ist zum Beispiel die junge Frau, die ihrem Freund einen Abschiedsbrief schreibt und ihm erklärt, warum sie ihn nicht heiraten will. Sie rekapituliert die Beziehung der beiden und beschreibt einen Mann, der sie klein macht, erniedrigt, sie verbal geschickt manipuliert. Am Ende der Geschichte heißt es von ihr: „Mir ist, als du von Heiraten angefangen hast, etwas klar geworden, das sich bislang nur unterschwellig als unangenehmes Gefühl bemerkbar gemacht hatte: Du hast mich eingesperrt, kontrolliert und mich heruntergemacht, alles unter der Behauptung, das sei Liebe – und mich ganz sicher nicht als Menschen respektiert. So hast du eine unfähige, unsichere Person aus mir gemacht.“

Die Sprache der Autorin ist klar, ohne Schnörkel. Beim Lesen dieser Kurzgeschichte über die Beziehung des Paares, entwickelt man eine richtige Abneigung gegen den Mann. Jede einzelne Geschichte berührt, weil die Autorin die Ungerechtigkeiten sehr gut darstellt. Man leidet mit den Frauen mit, die kurz vor dem Burnout stehen, weil sie Job, Kinder, Mann, Schule, Verwandte unter einen Hut kriegen müssen. Dabei werden sie komplett alleine gelassen.

Bevor sie als Schriftstellerin erfolgreich wurde, arbeitete Cho Nam-Joo als Drehbuchautorin für das Fernsehen. Mit dem Verkauf ihrer Bücher kann sie ein komfortables Leben führen. Doch der Preis ihres Erfolgs ist der Hass im Netz, auch darüber schreibt sie in einer ihrer Kurzgeschichten. Der Hass kommt von Männern und von Frauen. Kalt lässt sie das nicht. Sie spricht über das schwierige Verhältnis zu ihrem Bruder, für den sich die Eltern beruflich aufopferten, um ihm ein Studium an einer Eliteuniversität in China zu ermöglichen. Sie dagegen musste während des Studiums nebenbei noch jobben. Der Vater verstarb nach einem Unfall, als er mit seinem Taxi frühmorgens von der Fahrbahn abkam und in die Tiefe stürzte. Der Bruder kam verspätet ins Krankenhaus, weil er noch auf Kneipentour mit seinen Kumpels war. Sie warf ihm vor, dass der Vater nur wegen seines Studiums Taxi gefahren sei. Daraufhin verpasste ihr der Bruder eine saftige Ohrfeige. Seitdem haben die beiden keinen Kontakt mehr.

Ihren Durchbruch feierte die Autorin mit dem Roman „Kim Jiyoung, geboren 1982“, der erstmals 2016 in Korea veröffentlicht wurde. Allein dort verkaufte er sich über eine Million Mal und löste öffentliche Diskussionen und eine Gleichstellungsdebatte aus. Der Roman handelt von einer Frau und ihrer alltäglichen Erfahrung mit Sexismus. Die systematische Frauenfeindlichkeit zermürbt die Protagonistin, mit der Folge, dass sie eine Psychose entwickelt. Am Ende der Erzählung stellt sich heraus, dass der Roman von ihrem männlichen Psychiater geschrieben wurde.

Cho Nam-Joo gibt einen Blick in das innere der Gesellschaft. Auch wenn es mittlerweile öffentliche Diskussionen über #metoo, Sexismus und Gleichberechtigung gibt, ist es sicherlich noch ein langer Weg für die Frauen, bis sich in Korea etwas bewegt. Die Autorin trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass Frauen in Korea Gehör finden.

Autorenfoto: Minumsa

Bestsellerautorin Cho Nam-Joo: koreanische Frauen und ihr täglicher Kampf mit Sexismus

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