Eine 34-jährige japanische Angestellte täuscht ihre Schwangerschaft vor. Was dann passiert, sagt viel über die patriarchalischen Strukturen des Landes aus. Für mich ist „Frau Shibatas geniale Idee“ die Buch-Entdeckung im Monat Januar – mit einem Ende, das nicht jedem gefällt.

Da ging ich mal wieder in die Buchhandlung und konnte nicht widerstehen. Als großer Fan von asiatischen Schriftstellern kaufte ich mir das Buch „Frau Shibatas geniale Idee“ der japanischen Autorin Emi Yagi. Im Buch geht es um Frau Shibata: Sie ist 34, Single und arbeitet als Angestellte in Tokyo. Sie soll, wie eigentlich immer, in der Firma im Konferenzraum die Kaffee- und Zigarettenreste wegräumen, weil sich die werten Herren dafür zu fein sind bzw. weil es bislang einfach immer Frau Shibata gemacht hat. Und sie sagt vor lauter Ärger, dass sie das wegen des Kaffee- und Zigarettengeruchs nicht machen könne, weil sie schwanger sei.

Auf einmal ändert sich ihr Leben schlagartig – sie geht früher nach Hause, bekommt deswegen noch die leckeren Sachen aus dem Supermarkt. Sie kocht in Ruhe, schaut Filme, was viele Angestellte im harten und langen japanischen Arbeitsalltag aus Zeitgründen nicht schaffen. Und sie lernt neue Leute kennen: Sie schließt sich einer Gruppe von anderen Schwangeren an, mit denen sie zusammen Sport macht.

„Frau Shibatas geniale Idee“ ist eine Antwort auf patriarchalische Strukturen in Japan

Trotzdem muss sie sich dumme Sprüche von den Männern anhören. Man hätte ihr eine Schwangerschaft gar nicht zugetraut, sie sei doch Single, aber stille Wasser seien ja bekanntlich tief. Das ist oft einfach nur anmaßend und verbal übergriffig. Man muss trotzdem oft schmunzeln und lachen, weil die Protagonistin eine sehr kluge Beobachterin ist und viel Witz hat. Ist so eine Lüge nun empfehlenswert? Vermutlich nicht, aber die Geschichte zeigt sehr schön, wie schwer es Frauen in Japan in der Gesellschaft noch haben.

Man will von Anfang an wissen, wie es ausgehen wird, denn gebären kann Frau Shibata schließlich nicht. Das Ende werde ich nicht verraten. Aber Frau Shibata sagt etwas, das zum Nachdenken anregt: „Du erschaffst dir einen Ort nur für dich selbst, auch wenn er nicht wirklich ist. Bloß eine kleine Lüge, in die ein einziger Mensch passt. Solange du diese Lüge verinnerlichst und immer wieder heraufbeschwörst, trägt sie dich vielleicht an einen Ort, mit dem du nie gerechnet hast. Und, wer weiß, eventuell verändern du und die Welt sich in der Zwischenzeit sogar ein wenig.“

Buch des Monats: „Frau Shibatas geniale Idee“ von Emi Yagi

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